Fachkräftesituation

Das Thema Fachkräftemangel ist seit Jahren in aller Munde; in einigen Branchen ist der Mangel bereits angekommen, in anderen noch nicht. Für die Unternehmen bedeutet dies, wachsam zu sein. Denn das Problem wächst zwar langsam, kann dann aber plötzlich relevant werden.

Seit 2003 hat sich laut Bundesagentur für Arbeit die Zahl der älteren Arbeitnehmer (65- unter 70-Jährige) verdoppelt: Know-how verlässt die Betriebe. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Auszubildenden im Land – mit regionalen Unterschieden.

Gerade im Mittelstand wird der Wettbewerb um gut ausgebildete Mitarbeiter härter. Nach einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young aus dem Jahr 2014 bezeichnen es mehr als sieben von zehn Mittelständlern als schwierig, geeignete neue Mitarbeiter zu finden.

Die Wirtschaftsförderung ist daher beteiligt an Projekten und Initiativen, die dazu beitragen, Unternehmen beim Fachkräftethema zu unterstützen. Projekte im Sektor Schule - Wirtschaft sowie die Unterstützung des zdi-Netzwerks setzen relativ früh an. Netzwerkarbeit der WFG, wie beispielsweise bei der Initiative In|Die Region Ruhr, hilft Unternehmen beispielsweise durch die Möglichkeit, sich an Gemeinschaftsständen an interessanten Messen zu beteiligen.

 

 

Fachkräftesicherung

Viele Unternehmen, je nach Region und Branche, haben bereits auf die Situation reagiert. So suchen inzwischen 20 Prozent der betroffenen Betriebe auch außerhalb der eigenen Region nach Talenten; ebenso viele bilden ihre Mitarbeiter weiter, führen flexible Jobmodelle ein oder bieten Zusatzleistungen. Um Mitarbeiter zu binden, gibt es  z.B. Mitarbeiterbeteiligungsprogramme oder Angebote bei der Betrieblichen Kinderbetreuung, dem Betriebliches Gesundheitsmanagement oder der Betriebliche Altersvorsorge. Weitere Faktoren der Fachkräftesicherung: eine gut funktionierende interne Kommunikationsstruktur und Familienfreundlichkeit mit der Möglichkeit zum Wiedereinstieg nach der Elternzeit oder zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.

Unterstützung hierbei können sich Unternehmen durch das Förderprogramm der Landesregierung zur Fachkräftesicherung holen. Mit dem Projektaufruf sollen vorhandene Fachkräftepotenziale gestärkt und weiterentwickelt werden, um eine Fachkräftelücke möglichst nicht entstehen zu lassen bzw. aktuelle Fachkräftebedarfe auszugleichen. In der ESF-Förderphase 2014 – 2020 hat die Landesregierung folgenden Aufruf gestartet, der zum Download bereit steht.

06_02_service_newsletter_fotolia_3322448_subscription_l.jpgProjektaufruf der Landesregierung zur Fachkräftesicherung in NRW (pdf)

06_02_service_newsletter_fotolia_3322448_subscription_l.jpgifaa-Infoblatt Diversity-Check für Unternehmen (pdf)

 

 

Fachkräfte aus dem In- und Ausland

Die WFG unterstützt die Initiative welcome.ruhr, die um qualifizierte Fachkräfte wirbt. Über ein Portal werden Interessenten über berufliche Chancen bzw. Studienmöglichkeiten in der Metropole Ruhr informiert. Als besonderer Service steht Neuankkömmlingen ein persönlicher Ansprechpartner für alle Fragen rund um den Start im Ruhrgebiet zur Verfügung. Denn in der Metropole Ruhr, die eine lange Einwanderungstradition aufweist, leben und arbeiten Menschen aus mehr als 150 verschiedenen Nationen.

Um auch für den Standort Herne zu werben, sucht die WFG Unternehmerinnen und Unternehmer, die Interesse daran haben als Ansprechpartner, sog. "Welcome Guide" zu fungieren. Die Welcome Guides kennen die Situation der Ankömmlinge, weil sie sie selbst schon erlebt haben. Sie helfen mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen, um ihnen den Start im Ruhrgebiet so leicht wie möglich machen. Interessenten können sich bei Karin Gröger melden.

 

 

Fachkräftequalifizierung

Bildungssysteme und Wirtschaft müssen immer schneller auf den Bedarf an qualifizierten Fachkräften reagieren. Aus- und Weiterbildungskonzepte sind anzupassen und weiter zu entwickeln.

 

Beispiel: Trainee-Programm für KMU |Akademie der Ruhr-Universität

Mit Blick auf den Führungsnachwuchs von kleinen und mittleren Unternehmen bietet die Akademie der RUB-Universität einen Zertifikatkurs. Mittelständische Unternehmen können ihren Nachwuchskräften oftmals gute Perspektiven bieten, weil Schlüsselpositionen besetzt werden müssen. Das Programm begleitet die Trainees auf dem Weg dorthin.

In Kooperation mit der Ruhr-Universität und dem Institut für Arbeitswissenschaft (IAW) vermitteln wissenschaftliche Dozenten und routinierte Praktiker Managementfähigkeiten in den Bereichen Teamentwicklung, Präsentation, Projekt- und Zeitmanagement, Personalführung, interkulturelle Kommunikation sowie Vertrieb und Marketing.

Teilnehmen können akademische wie nicht-akademische Aufstiegskandidaten sowie Hochschulabsolventen, die ihr „Training-on-the-Job“ bereits absolviert haben.

 

Beispiel: Fachkräfteprojekt KMUni

Tausende von Studenten absolvieren jedes Jahr an den Hochschulen im Revier ihre Master- und Bachelorprüfungen. Doch nur wenige suchen anschließend bei kleinen und mittleren Unternehmen in der Region auch einen Arbeitsplatz.

Mit dem Projekt KMUni soll eine Brücke zwischen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und den Hochschulen der Region gebaut werden. Das Projekt dient dem intensiveren Austausch zwischen Personalverantwortlichen und Hochschulabsolventen und leistet so einen Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs von KMU im Ruhrgebiet.

KMUni ist ein regionales Kooperationsprojekt der Wirtschaftsförderungen Bochum und Dortmund mit Unterstützung der IHK Mittleres Ruhrgebiet sowie der IHK zu Dortmund. Doch auch Herner Unternehmen können hiervon profitieren.

Mit Unternehmen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft werden Grundlagen für ein effektives und nachhaltiges Personalmarketing im Unternehmen geschaffen, Konzepte zur Gewinnung hochqualifizierter Fachkräfte entwickelt und die Ansprache von Absolventen aus den hiesigen Hochschulen. Mit dem Ziel, den Austausch zwischen KMU, Hochschulen und Absolventen auf regionaler Ebene langfristig zu stärken.

Nachdem die Firmen in einer ersten Projektphase vertiefte Kenntnisse im strategischen Personalmarketing und Einblicke in das Innenleben der Hochschulen vermittelt bekommen, wird das Erlernte in einer zweiten Phase in die Praxis umgesetzt, Kontakte zu Hochschulen und Absolventen intensiviert und so ein enges Netzwerk geknüpft.

Mitmachen kann, wer Unternehmerin oder Unternehmer in der Region Dortmund-Bochum sind, weniger als 250 Mitarbeiter haben und der Schwerpunkt im Bereich technologieorientierter Branchen liegt. Angesprochen werden vor allem technologieorientierte Unternehmen, beispielsweise aus dem IT-Bereich, der Produktionswirtschaft, der Logistik, der Biomedizin sowie der Bio-, Mikro- und Nanotechnologie.

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Die Teilnahme ist kostenlos.

06_02_service_newsletter_fotolia_3322448_subscription_l.jpgBroschüre Leitfaden (pdf)

 

 

Handlungsfelder und Trends

Eine Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales aus dem Jahr 2013 nimmt die mögliche Entwicklung des Arbeitsmarktes unter die Lupe, um frühzeitig auf potenzielle Veränderungen und Engpässe am Arbeitsmarkt sowie auf wichtige Handlungsfelder hinzuweisen. Danach wird nach bestimmten Annahmen bis zum Jahr 2030

  • die Zahl der Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Erwerbslose) um 2,9 Mio. auf 40,8 Mio. sinken
  • die Zahl der Erwerbstätigen um 1,4 Mio. auf 39,2 Mio. zurückgehen
  • die Zahl der Erwerbslosen um 1,4 Mio. auf 1,7 Mio. Personen sinken
  • das reale BIP um durchschnittlich 1,5 % jährlich wachsen
  • die Erwerbsbeteiligung von Frauen steigen
  • die Erwerbsbeteiligung von Männern im Alter ab 55 Jahren steigen

Ein Beschäftigungsrückgang erfolgt insbesondere

  • im Verarbeitenden Gewerbe,
  • Handel und Verkehr sowie
  • in der Öffentlichen Verwaltung.

Eine Beschäftigungszunahme wird erwartet

  • bei Unternehmensdienstleistungen,
  • bei Finanzdiensten und
  • im Gesundheits- und Sozialwesen

Eine vergleichbare Entwicklung zeigt sich bei den Berufen. Erwarteter Rückgang im Gefolge der Globalisierung und in der Arbeitsorganisation bei:

  • Fertigungsberufen und
  • Büroberufen

Zunahme bei

  • Gesundheitsberufen,
  • bei Leitenden Tätigkeiten,
  • in der Wissenschaft und
  • in Technischen Berufen

Die Bedeutung der Bildung wird steigen. So wird nach der Prognose die Zahl der Erwerbstätigen

  • mit Hochschulabschluss um rund 3 Mio. steigen
  • mit dualer Berufsausbildung um rund 200.000 sinken
  • ohne Berufsabschluss um 3,4 Mio. sinken

Die größten Engpässe werden erwartet

  • bei Erziehungs- und Sozialberufen
  • bei Gesundheitsberufen
  • bei Managern
  • bei leitenden Angestellten
  • in Technischen Berufen

 

Glossar

Absolventen/Abgänger mit allgemeiner Hochschulreife: insbesondere Schüler-/innen mit dem Abschlusszeugnis der Gymnasien, Integrierten Gesamtschulen, Abendgymnasien und Kollegs sowie der Fachgymnasien

Quelle: Statistisches Bundesamt

Absolventen /Abgänger mit Realschul- oder mittlerem Abschluss: Schüler-/innen mit dem Abschlusszeugnis einer Realschule, der Schularten mit mehreren Bildungsgängen, einer realschulklasse an Hauptschulen oder einer Abendrealschule. Als mittlerer Abschluss gilt insbesondere das Versetzungszeugnis in den 11. Schuljahrgang (ohne Hochschulreife) eines Gymnasiums oder einer Integrierten Gesamtschule sowie das Abschlusszeugnis einer Berufsaufbau- oder zweijährigen Berufsfachschule.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Altersteilzeit: ermöglicht älteren Beschäftigten eine frühere Beendigung des aktiven Berufslebens (Blockmodell) oder einen gleitenden Übergang in den Ruhestand (Teilzeitmodell). Während der Gesamtlaufzeit der Altersteilzeit wird die Arbeitszeit auf die Hälfte der bisherigen Arbeitszeit reduziert. Die Personalstandstatistik weist alle Altersteilzeitbeschäftigen als Teilzeitbeschäftige nach – unabhängig davon, welches Modell gewählt wurde und in welcher Phase sie sich befinden.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Fachkräfte: Personen mit mindestens einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder einem vergleichbaren Sekundärabschluss

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Januar 2011, Perspektive 2025 Fachkräfte für Deutschland